CALL FOR PAPERS: Studia Germanica Gedanensia, Bd. 56
CALL FOR PAPERS: Studia Germanica Gedanensia, Bd. 56
Der Topos der Verwandlung
in Literatur und Kunst der Moderne
Die Verwandlung spielt in der modernen westlichen Kultur eine auffällig marginale Rolle. An ihre Stelle tritt der Wandel als Korrelatbegriff zu Identität. Zu einer Bestimmung von Verwandlung versucht man ex negativo zu gelangen. Es wird differenziert zwischen den Phänomenen des Wandels – der Maskerade, Verstellung, Nachahmung, aber auch der Entwicklung und des Fortschritts, und der unumkehrbaren Verwandlung, die sich als Steigerung des Daseins und Einstieg in eine neue Seinsform erweist. Der Wandel wird hierbei als eine äußerliche Veränderung konzipiert, die sich innerhalb bestimmter Grenzen vollzieht, die Verwandlung dagegen geht über diese Grenzen hinaus und weist eine (grenzenlose) Tiefendimension auf. Die Verwandlung bedeutet dann Irritation, Provokation und Normenbruch, aber auch Spiel mit Identitäten (z. B. als Maske, Fratze, Doppelgänger). Der theoretische Ansatz eröffnet Fragen nach Formen und Funktionen der Verwandlung, die in Literatur und Kunst der Moderne sowohl thematisiert als auch zu einer Darstellungsstrategie werden.
Wenn von Verwandlung die Rede ist, kommt man meist bald auf Ovids Metamorphosen zu sprechen. Ovid lieferte darin eine poetisch-ätiologische Erklärung von Metaphern und Gleichnissen durch Erzählungen, wodurch die Verwandlungsfähigkeit epischer Texte belegt wurde. Die Moderne hat nun die Literatur und Kunst von ihrem sicheren Ufer der Mythologie radikal getrennt, wodurch die Verwandlung, die über Jahrhunderte hinweg mit dem Mythos einherging, allenfalls zu einer persönlichen Vision des Künstlers (R. Wagner) oder des Dichters (z. B. Rilke, Kafka, H. Hesse) wurde. An die Stelle der Verwandlung traten auch Schock und verschiedene Formen der Deformation (z. B. Expressionismus), Ironie und Parodie (z. B. T. Mann). Zu den Bildern und Darstellungen der zersplitterten Welt entstanden gleichwohl auch literarische (z. B. Essay bei R. Kassner) und künstlerische Gegenentwürfe (z. B. Bauhaus, P. Klee, W. Kandinsky), die den fragmentierten Menschen der Moderne einer neuen „Einheit in Bewegung“ (z. B. László Moholy-Nagy) zuzuführen versuchten.
In dem neuen Band der Studia Germanica Gedanensia können die Moderne und ihre literarischen und künstlerischen Verwandlungen sowohl als thematischer Fokus als auch als Ausgangspunkt für weitere (interdisziplinäre oder epochenübergreifende) Überlegungen behandelt werden. Deshalb bitten wir Sie auch um Beiträge, die von der Moderne ausgehend sowohl ihre vergangenen Inspirationsquellen (z. B. die mittelalterlichen oder romantischen) mit einbeziehen, als auch die heutige Literatur- und Kunstproduktion, die von digitalen Technologien (z. B. literarische Hypertexte, digital art, Kunst im Cyberspace) bestimmt sind.
Wir laden Sie herzlich ein, einen Beitrag zu diesem Thema zu publizieren. So wie in den vorigen Ausgaben nehmen wir ebenfalls Beiträge zur Geschichte und Kultur von Danzig/Gdańsk an, die im Teil Gedaniana veröffentlicht werden, ferner auch Rezensionen und Berichte.
Die Zeitschrift Studia Germanica Gedanensia befindet sich auf der Zeitschriftenliste des polnischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft. Die Manuskripte werden im Double-Blind-Review-Vorgang anonym begutachtet. Ab 2025 erscheint die Zeitschrift (mit Ausnahme von Autoren- und Bibliotheksexemplaren) als Open Access. Publikationssprache ist Deutsch (oder Englisch). Der Manuskriptumfang soll in der Regel 30.000 Zeichen (einschl. Fußnoten und Bibliographie) nicht überschreiten.
Wenn Sie an einer Publikation interessiert sind, bitten wir Sie, Ihren Beitrag zusammen mit einer kurzen biographischen Notiz bis zum 10.04.2027 einzureichen. Die Erscheinung der Zeitschrift ist für Herbst 2027 vorgesehen. Wir bitten Sie, die Beiträge elektronisch über die Online-Plattform auf der Webseite der Zeitschrift (https://czasopisma.bg.ug.edu.pl/index.php/SGG/about/submissions) einzusenden. Dort finden Sie auch die Richtlinien zur Manuskriptgestaltung und den Autorenvertrag.
In Ausnahmefällen können die Beiträge auch an den Herausgeber des Bandes Prof. Sławomir Leśniak gerichtet werden: slawomir.lesniak@ug.edu.pl
Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und antworten gern auf Ihre Fragen.
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